
Digitalisierung im Gebäudebetrieb: Wie Daten verständlich werden (Teil 2)
Struktur statt Datenchaos
Moderne Gebäude erzeugen heute eine enorme Menge technischer Informationen. Doch ohne einheitliche Struktur bleiben diese Daten oft schwer lesbar und blockieren digitale Anwendungen. Unterschiedliche Formate, Bezeichnungen und Systeme führen dazu, dass wertvolle Informationen verborgen bleiben und ein effizientes Gebäudemanagement erschweren. Dieser zweite Teil der Serie zeigt, wie sich technische Gebäudedaten vereinheitlichen lassen und welche Rolle Standards und digitale Zwillinge dabei spielen.
Vom Sammeln zum Verstehen: Warum Struktur entscheidend ist
Im ersten Teil der Serie lag der Fokus auf den Anforderungen an ein zukunftsorientiertes Managementsystem für die Gebäudeautomation – offene Schnittstellen, Standardunterstützung und IT-Sicherheit. Doch selbst das beste System bleibt wirkungslos, wenn es Informationen nur speichert, statt sie nutzbar zu machen.
Rohdaten wie Messwerte oder Schaltzustände haben erst dann echten Mehrwert, wenn sie im richtigen Kontext interpretiert werden können. Genau hier entscheidet sich, ob Digitalisierung reine Datensammlung bleibt – oder zu messbarer Optimierung führt.
Herausforderung Gebäudebestand: Inselwelten voller Formate
Bestandsgebäude nutzen eine Vielzahl unterschiedlicher Protokolle wie BACnet, Modbus oder KNX. Dazu kommen Hersteller-spezifische Systeme und uneinheitliche Benennungen. Ein und derselbe Wert kann etwa als „VL_Temp“, „FlowTemp“ oder „T_VL“ auftauchen – teils sogar mit unterschiedlichen Einheiten.
Diese Vielfalt sorgt dafür, dass Integrationsprojekte häufig mit großem Aufwand verbunden sind. Jede Verbindung, jede Erweiterung, jede neue Datenquelle erfordert manuelle Übersetzungsarbeit. Das macht Projekte teuer, fehleranfällig und nur schwer skalierbar.




Digitale Zwillinge als Lösung: Standards schaffen Klarheit
Ein Ansatz zur Vereinheitlichung ist die Nutzung digitaler Zwillinge wie der Verwaltungsschale oder BACtwin. Sie strukturieren technische Informationen und beschreiben Datenpunkte einheitlich und maschinenlesbar. Durch diese semantische Ebene können Systeme Daten eindeutig interpretieren – unabhängig davon, aus welchem Gerät oder Protokoll sie stammen.
Automatisierte Prozesse und KI-gestützte Methoden ermöglichen heute, diese Strukturierung in kürzester Zeit durchzuführen und große Datenmengen direkt nutzbar zu machen.
Über den Author

Dr.-Ing. Maximilian Both ist Mitgründer und Co-Geschäftsführer der ENTENDIX GmbH aus Bonn. Das Tech-Start-up entwickelt eine IoT- und KI-basierte Plattform, die technische Gebäudeinfrastruktur digitalisiert und nachhaltiger gestaltet.
Den originalen Beitrag finde Sie unter https://cci-dialog.de/digitalisierung-im-technischen-gebaeudemanagement-teil-2-cci_wissensportal/
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